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Ewald Platte

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"Wer seine Gemälde und Zeichnungen, seine Collagen und Skulpturen gesehen hat, wer ihre Ausdruckskraft wahrgenommen und ihre Fszination gespürt hat, der weiß, warum die Werke Ewald Plattes den Betrachter nicht mehr loslassen, der weiß, warum er von manch einem in einem Atemzug genannt wird mit den ganz großen Namen der deutschen Malerei." 

-Budespräsident Dr. Johannes Rau

Wer war Ewald Platte?

Ewald Platte wurde am 9. Oktober 1894 in der Honschaft Garschagen (heute Untergarschagen, Remscheid) geboren und verstarb am 27. Dezember 1985 in Opladen (heute Teil von Leverkusen).

Er studierte von 1909–1913 an der Kunstgewerbeschule Barmen unter Ludwig Fahrenkrog und Gustav Wiethüchter. Bereits während des Studiums stellte er in der Kunsthalle Barmen aus.

1914–1918 diente er im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg kehrte er nach Barmen zurück. Er wurde Teil der Künstlergruppe Die Wupper und des progressiven „Jungen Rheinland“ und prägte das Kunstleben im Wuppertal der 1920er Jahre wesentlich mit.

Künstlerisches Werk und Stilentwicklung

Plattes frühe Werke zeigen eine Tendenz zu abstrakt-kubistischen Formen. In den 1920er Jahren beteiligte er sich u. a. an Ausstellungen wie „Europäische Kunst der Gegenwart“ (1927, Hamburg) und wurde dort neben Kandinsky, Jawlensky, Klee, Nolde, Picasso und Matisse gezeigt. Seine Arbeiten wurden auch in den USA und in Japan ausgestellt.

Während der NS-Zeit wurden 1937 Bilder aus seinem Bestand in Wuppertal als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und vernichtet (13 Werke), 1943 zerstörten Brandbomben seinen Nachlass. Ab 1945 folgten neue Landschaftsbilder aus Freiluftmalerei in seiner Heimat.

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte Platte eine komplexe Enkaustik-Technik (Wachsmalerei): Er verwendete Zeitungspapier und saugende Materialien, löste Wachs mit Waschbenzin oder Terpentin, trug Schichten auf, bearbeitete sie mit Lötkolben und Spachtel und presste sie auf Spanplatten mit spezieller Technik und Presse. Er testete Farbbeständigkeit durch Sonnenbestrahlung – angestrebt war die Dauerhaftigkeit antiker Mumienporträts.

Techniken und Schwerpunkte

Expressionismus & Kubismus: Frühe Werke zeigen expressive Figurendarstellungen und abstrahierende Formen. Sein Stil wandelte sich hin zu kubistischen Elementen.

Enkaustik: In späteren Jahren setzte er überwiegend auf Wachsmalerei. Er entwickelte rund 300 Varianten dieser Technik, darunter Collage‑Elemente, teils transparente Wachsschichten und reliefartige Strukturen.

Ausstellungen & Rezeption

Platte stellte seit seinem Studium regelmäßig im Kunstverein Barmen und Düsseldorf aus – auch mit „Junges Rheinland“ und „European Modernists“ Wanderausstellungen (1927/28) in den USA.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Ausstellungen in slowakischen Galerien, später im Von der Heydt‑Museum Wuppertal u. a. 1962 erhielt er dort die Richart‑Reiche‑Plakette; 1971 wurden seine Wachsbilder dort präsentiert. Seit 1994 gab es Retrospektiven zu seinem 100. Geburtstag in Wuppertal, Leverkusen, später international etwa in Singapur (2004, 2011).

Bedeutung

für die Kunstgeschichte

Platte gehört zur sogenannten „verschollenen Generation“ – Künstlergruppe deutscher Avantgarde (geb. 1890–1905), die im Nationalsozialismus in Vergessenheit geriet und später neu gewürdigt wurde. Sie waren Teil des expressiven Realismus, vereinigten Expressionismus mit modernen abstrakten Elementen.

Seine bedeutende Enkaustik-Technik und experimentelle Materialarbeit sichern ihm einen besonderen Stellenwert in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts.

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